Andrea Brodbeck, Susanne Jackson und Lisa-Maria Raff – die Ausstellungskoordination

Aufbauarbeiten in der Staatsgalerie StuttgartEs ist wieder Ausstellungsumbauzeit in der Staatsgalerie. Noch bevor wir in der Morgendämmerung im Büro eintreffen, erscheinen mehrere Anrufe auf den Displays unserer Telefone: Wegen des Lokführerstreiks kann ein Kurier nicht kommen – die Hängung des entsprechenden Werkes muss neu terminiert werden…der Schreiner steht im Stau – der Aufbau der Stellwand verzögert sich …an der Pforte ist gestern Abend noch ein Paket angekommen. Ein typischer Morgen in der Umbauzeit für die Ausstellungskoordination – kurz Auko – der Staatsgalerie Stuttgart.

Beim Umbau zwischen zwei Sonderausstellungen herrscht Hochsaison in unserem Ressort – jedes Detail will geplant, koordiniert und umgesetzt sein: Gemäß unserem Zeitplan bereiten Maler und Schreiner den Ausstellungsraum vor, Sockel und Vitrinen werden gestaltet, gebaut und angeliefert, Beschriftungsmedien übersetzt und produziert. Wir besprechen mit dem hauseigenen Team aus Restauratoren, Technikern und Aufbaupersonal, wann welche Maßnahmen im Gesamtablauf anstehen, Kunstwerke gehängt oder komplizierte Installationen aufgebaut werden. Von der ersten Idee bis zum letzten Tag des Aufbaus koordinieren und begleiten wird die Planung und Realisierung aller Ausstellungen und Sammlungspräsentationen.

Aber auch in der Dauerausstellung sind wir gefragt. Aus den verschiedensten Gründen werden Werke unserer ständigen Sammlung in Bewegung gebracht: Bau- und Sanierungsarbeiten, Ausleihungen oder restauratorische Maßnahmen – in der „Dauer“ausstellung haben wir tatsächlich „dauer“haft etwas zu tun.

Pragmatismus, Flexibilität und ein gewisses Maß an technischem Verständnis sind gefragt. Nicht allein das Interesse an Kunst und unseren Werken treibt uns an, uns interessiert auch: Wie werden die Werke präsentiert, gestellt oder gehängt, gesichert und geschützt, verglast und geschraubt, beleuchtet oder verdunkelt,… ah… im Paket kommt der Verdunklungsstoff für die Dan Flavin Arbeit – super – gerade noch rechtzeitig!

Dr. Sabine Hirschle, Qualitätsmanagementbeauftragte

Foto_Sabine Hirschle IIMein Name ist Dr. Sabine Hirschle, ich arbeite seit 4 Jahren als Qualitätsmanagementbeauftragte in der Staatsgalerie Stuttgart. Auf Initiative des 2012 neu in die Staatsgalerie Stuttgart gekommenen kaufmännischen Geschäftsführers und Vorstandsmitglieds Dirk Rieker wurde ich mit der Projektleitung für den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems nach den Anforderungen der ISO 9001 beauftragt. Da die Staatsgalerie Stuttgart als erstes öffentliches Kunstmuseum in Deutschland ein Qualitätsmanagementsystem nach der ISO 9001 eingeführt hat, war dies eine besonders spannende Herausforderung.

Von Beginn an wurde vom Vorstand Wert darauf gelegt, dass das Qualitätsmanagementsystem entsprechend der ISO-Anforderungen aber insbesondere nach den Anforderungen der Staatsgalerie Stuttgart an ein funktionierendes Qualitätsmanagement aufgebaut wurde. Hierzu habe ich eine Vielzahl an Gesprächen mit den Mitarbeitern geführt und diese Foto_Sabine Hirschle in den Entwicklungsprozess miteinbezogen. 2014 wurde der Staatsgalerie nach erfolgreich durchgeführten externen Audit durch den TÜV Süd das Zertifikat erteilt, dass auch beim 2015 erfolgten Wiederholungsaudit erneut erlangt werden konnte.

Meine Aufgabe als Qualitätsmanagementbeauftragte ist es, die kontinuierliche Weiterentwicklung des Qualitätsmanagementsystems der Staatsgalerie Stuttgart voranzutreiben und damit unsere Abläufe sowie die Zusammenarbeit der Mitarbeiter untereinander fortlaufend zu verbessern.

Anfang 2015 wurde die Staatsgalerie Stuttgart vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Baden-Württemberg ausgewählt, als nachgeordnete Behörde beim Projekt des Umweltministeriums teilzunehmen und ein Energie- und Umweltmanagementsystem einzuführen. Die Staatsgalerie Stuttgart leitet damit einen wichtigen Beitrag für das Ziel einer Klimaneutralen Verwaltung 2040.

Dr. Susanne M.I. Kaufmann, Forschungsprojekt Duchamp

_DS26472_sBereits während meines Studiums der Kunstgeschichte in München habe ich mir eine berufliche Zukunft im Museum gewünscht. Faszinierend fand ich vor allem die tägliche Arbeit mit den Originalwerken – und so freue ich mich, dass ich mittlerweile als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Staatsgalerie dieser Tätigkeit nachgehen kann.
Derzeit leite ich ein Forschungsprojekt zu unserem wertvollen, aber bislang kaum bearbeiteten, Bestand an Werken des französischen Künstlers Marcel Duchamp. Ihn als Erfinder des Ready-Mades und als komplexen Vordenker der Konzeptkunst zu entdecken, ist anspruchsvoll und eine große Herausforderung. Um meine Forschungsergebnisse anhand unserer Werke erstmals dem Publikum zu präsentieren, arbeite ich derzeit an einem Ausstellungskonzept und einem begleitenden Katalog. Es ist sehr motivierend sich vorzustellen, wie unsere Besucher durch die Ausstellung laufen werden und von den Werken und Gedanken Marcel Duchamps hoffentlich ebenso fasziniert und überrascht sein werden, wie ich es oft bin.
Gerade in dieser Vermittlungsfunktion des Museums als Ort, wo Forschungserkenntnisse an den Originalwerken entdeckt werden können, sehe ich die große historische und zukünftige Bedeutung des Museums als Institution.

Dr. Susanne M.I. Kaufmann, Projektleiterin Forschungsprojekt »Marcel Duchamp«

Das Fotoatelier der Staatsgalerie stellt sich vor

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Als Mitarbeiter des Fotoateliers der Staatsgalerie haben wir, Volker Naumann, Dirk Kittelberger und Gerhard Ziller, primär die Aufgabe den Sammlungsbestand des Hauses fotografisch zu erfassen. Dabei handelt es sich vor allem um graphische Arbeiten, Gemälde, Plastiken und Archivalien. Die Verwendungszwecke der Bilder sind vielfältig. Sie bebildern Publikationen, dienen der Forschung oder halten die Zustände einzelner Kunstwerke fest, was aus restauratorischer Sicht von Bedeutung ist.

Darüber hinaus unterstützen wir die Abteilung »Marketing und Kommunikation« regelmäßig indem wir Eröffnungen oder Pressetermine fotografieren und Bildmaterial für unterschiedliche Projekte und Anfragen zur Verfügung stellen. Diese Anfragen können auch mal über unser eigentliches Arbeitsfeld hinausgehen und richtige Führungsshootings beinhalten um das Angebot der KunstVermittlung ansprechend zu illustrieren.

Das größte von uns fotografierte Objekt ist allerdings die Staatsgalerie selbst. Die vielfältige Architektur ist ein sehr gefragtes Motiv, was dazu führt, dass wir immer neue Bilder der Architektur, innen wie außen anfertigen.

Das überwiegend digitale Bildmaterial bearbeiten wir anschließend selbst und archivieren es, damit wir auf interne Bildanfragen schnell reagieren können.

Claudia Pacio, Volontärin in der Gemälderestaurierung

Entfernung des Firnis in Vorbereitung für eine Ausstellung Philipp Friedrich Hetsch, Ritter Albanak stellt König Alfred von England seine Töchter zur Wahl, 1807, Öl auf Leinwand, Staatsgalerie Stuttgart
Entfernung des Firnis in Vorbereitung für eine Ausstellung
Philipp Friedrich Hetsch, Ritter Albanak stellt König Alfred von England seine Töchter zur Wahl, Detail, 1807, Öl auf Leinwand, Staatsgalerie Stuttgart

Mein Name ist Claudia Pacio und ich arbeite seit Mai dieses Jahres als wissenschaftliche Volontärin in der Gemälderestaurierung der Staatsgalerie Stuttgart.

Als Restauratorin bin ich jeden Tag auf Tuchfühlung mit der Kunst. Ich empfinde das als großen Luxus, der montags immer mit einer Abstaubrunde durch die Sammlung beginnt. Den Rest der Woche gehe ich im Restaurierungsatelier noch näher ans Objekt, wenn ich es mit dem Mikroskop untersuche oder Maßnahmen durchführe.

Mein Projekt während des Volontariats ist die Erarbeitung und Durchführung eines Restaurierungskonzeptes für das Historiengemälde Der Tod Kaiser Friedrich Barbarossas von Alexander Bruckmann. Daneben fertige ich Protokolle für Objekte an, die an andere Museen ausgeliehen werden. Mitunter kommt es vor, dass ich fragile Objekte auf ihrer Reise zum Leihnehmer begleite, um sicher zu gehen, dass sie während des Transports nicht beschädigt werden und die Gegebenheiten vor Ort optimal sind.

Die Arbeit an der Staatsgalerie bietet für mich eine Vielzahl spannender Tätigkeiten, die mit unterschiedlichen Objekten zusammenhängen: Das Auf- und Abspannen großer zeitgenössischer Gemälde, da sie nicht durch die Türen passen oder sicheres Verpacken fragiler Holzskulpturen, die auf eine weite Reise gehen oder Konservierungsarbeiten an Objekten aus der Sammlung. Als Volontärin an einem Museum nutze ich meine Zeit auch, um möglichst viele Einblicke in die Organisation eines Museums zu erhalten und so mit einem großen Überblick über die Museumsarbeit aus meinem Volontariat herauszugehen.

Claudia Pacio, Volontärin der Gemälderestaurierung

Arnaud Obermann M. A., Restaurator

Arnaud Obermann M. A.
Arnaud Obermann M. A.

Mein Name ist Arnaud Obermann und ich arbeite seit dem 14. Januar 2013 als Restaurator für zeitbasierte Medien an der Staatsgalerie Stuttgart. Schwerpunktmäßig dreht sich mein Arbeitsalltag um die Konservierung und Restaurierung der audiovisuellen Sammlungsbestände. Doch häufig bin ich auch in die authentische Präsentation der Exponate im Museum sowie in die medientechnische Beratung bzw. Realisierung aktueller Ausstellungsprojekte involviert, wie beispielsweise die aktuelle Reihe in unserer VideoBox »Silent« Cinema.
1972 wurde die Staatsgalerie zu einer erlesenen Gruppe von insgesamt fünf Ausstellungshäusern in Deutschland gezählt, die Videokunst sammelte und auch über das notwendige Equipment verfügte, diese einem Publikum darzubieten. Mit einer solchen historisch gewachsenen Sammlung arbeiten zu können, stellt eine Herausforderung dar und ist ausgesprochen spannend, kurzweilig und wissenschaftlich reizvoll.

Es ist nicht nur die Pflege und Erhaltung von Videoskulpturen, wie beispielsweise Nam June Paiks „Beuys Hat“ (1990), bestehend aus 44 Fernsehern, die diesen Reiz bewirkt. Auch die Auseinandersetzung mit den Objekten aus dem Archiv Sohm, einem der renommiertesten Archive für intermediäre Kunst, ist eine äußerst interessante Aufgabe.
Nebst einem Video- und Tonträgerbestand, birgt die Sammlung auch ein Konvolut an 8- und 16-mm-Filmen. Im Zuge von Recherchen zu filmischen Werken von Dick Higgins, einem bereits 1998 verstorbenen Fluxus-Künstler, hatte ich das Glück Filme zu entdecken, die in der Fachliteratur als vermeintlich verschollen gelten. Diese Filmbilder erstmals seit Ende der 1960er-Jahre in Bewegung erleben zu dürfen, bleibt für mich unbeschreiblich!

Arnaud Obermann M.A., Restaurator für audiovisuelle Kunst

Iris Haist, wissenschaftliche Volontärin

Iris Haist vor Auguste Rodin, Iris, die Götterbotin, 1891, Bronze, Staatsgalerie Stuttgart
Iris Haist vor Auguste Rodin, Iris, die Götterbotin, 1891, Bronze, Staatsgalerie Stuttgart

Mein Name ist Iris Haist und ich arbeite seit Januar dieses Jahres als wissenschaftliche Volontärin an der Staatsgalerie Stuttgart. In unserem Museum ist es üblich, ein Jahr in der Graphischen Sammlung und eines im Bereich Malerei und Skulptur zu absolvieren und dort die gattungsspezifischen Arbeitsweisen zu erlernen. Mein Volontariat beginnt in der Welt des Papieres, meine Objekte sind Aquarelle, Zeichnungen, Druckgraphiken, Photographien und Plakate. Hier lerne ich, wie die oft hauchdünnen Museumsobjekte dokumentiert und in die Datenbank aufgenommen werden, wie man verschiedene Papierarten und Drucktechniken voneinander unterscheidet und vieles mehr.

Als Volontäre unterstützen wir die Abteilung bei ihren täglich anfallenden Aufgaben und beteiligen uns an Ausstellungsprojekten als kuratorische Assistenz, in meinem Fall an der großen Herbstausstellung 2015: „Poesie der Farbe“. Für den dazu erschienenen Katalog durfte ich einen Text über die Künstlergruppe „Die Blaue Vier“ schreiben. Für etwa einen Monat hieß es also abtauchen in ein mir zuvor fremdes Themenfeld, auf den Spuren von Feininger, Kandinsky, Klee und Jawlensky – nach meiner Dissertation über römische Bildhauerei des Spätbarock eine neue, nicht ganz einfache aber durchaus fruchtbare und positive Erfahrung.
Wir gehen dem Magazinverwalter beim Studiendienst zur Hand, der jeden Donnerstag stattfindet. Zu diesem kann jeder Interessierte ohne Anmeldung kommen und sich unsere Graphiken vorlegen lassen. Das ist auch für mich interessant, denn da bekommt man so einiges zu sehen, was man selbst nicht aus dem Regal gezogen hätte. Man lernt Vielseitigkeit kennen und schätzen.

Mit meiner Kollegin Pia Littmann habe ich ein eigenes Ausstellungskonzept für die neu eingerichteten Räumlichkeiten des Hospitalhofes für Sommer 2016 ersonnen. Dieses führt mich thematisch schließlich in die ganz eigene Sphäre der Gegenwartskunst – eine gelungene Abrundung meiner Ausbildung.

Dr. des. Iris Haist, wissenschaftliche Volontärin

Dr. Anna Marie Pfäfflin, Kuratorin

Anna PfäfflinAls Kuratorin in der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart bin ich seit einem knappen Jahr für den Bereich des 19. Jahrhunderts und die Plakatsammlung zuständig. Das ist ein ziemlich umfangreiches Ressort, schätzungsweise 11.000 Zeichnungen und 35.000 Druckgraphiken: kästenweise, regalmeterweise Ausstellungen, Forschungs- und Restaurierungsprojekte, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.

Aber wo anfangen? Bei der noch völlig unbeforschten Sammlung von Frühlithographien (ca. 10.000 Blatt), der innovativen Drucktechnik im frühen 19. Jahrhundert? Oder sich lieber zuerst die Plakatsammlung vornehmen – einer Galerie für die Straße, die durch die Schenkung des Landesgewerbeamts 1973 den Weg zurück ins Museum gefunden hat? Oder ein neuer Blick auf das Zentrum des Stuttgarter Klassizismus, auf Gottlieb Schick, der mit dem «Apoll unter den Hirten» und dem Porträt der «Heinrike Dannecker» Ikonen dieser Epoche geschaffen hat?

Nein. Der erste Weg führt «Ans andere Ende der Welt», nämlich nach Japan. Japanische Farbholzschnitte eröffneten den enthusiastisch oder verzweifelt nach neuen Bildformeln suchenden Künstlern Europas Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Weg in die Moderne. Warum uns das interessiert? Wir planen ab Januar 2017 eine große Ausstellung der Winterthurer Privatsammlung des Ehepaars Hahnloser: Cézanne, van Gogh, Bonnard, Vuillard, Vallotton, Hodler sind dort vertreten. Diese Propheten der Moderne pilgern zu den Japan-Ständen auf den Weltausstellungen und durchstöbern die Galerien in den Großstädten um Alternativen zum Akademismus ihrer Kunsttraditionen aufzuspüren. Und sie werden fündig, ebenso wie wir, die wir unsere Trouvaillen in einer begleitenden Graphikausstellung zeigen werden.

Dr. Anna Marie Pfäfflin, Kuratorin für Zeichnungen und Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und Plakatkunst