Im Spotlight – Statements der Redner

Für das Symposium »Grenzen des Wachstums – Das Kunstmuseum gestern, heute und morgen«, sind namhafte Redner geladen. Wir haben sie aufgefordert ihre Thesen und Statements vorab an uns zu schicken um Sie einzustimmen auf die Diskussionen und Themen dieser spannenden Tagung!

Wolfgang Ullrich, »Das Kunstmuseum der Zukunft – eine Kreativitätsagentur?«

In einer Zeit, in der das Diktum “Jeder Mensch ist ein Künstler” mehr Geltung denn je besitzt und Kreativität zu den größten gesellschaftlichen Werten gehört, braucht es auch mehr Institutionen als früher, die vor allem inspirierend wirken. Gesucht sind Orte, die eine Atmosphäre der Kreativität schaffen können. Kunstmuseen etablieren sich aktuell zunehmend als solche Orte. Mit ihren vielfältigen Spielarten von Kunstvermittlung sowie immer neuen Sonderveranstaltungen und Events versuchen sie, möglichst viele verschiedene Menschen zu erreichen und dazu zu ermuntern, selbst kreativ tätig zu werden – oder ihnen zumindest das Gefühl zu geben, sie könnten ihrerseits kreativ sein. Das Museum will nicht mehr ein Ort sein, an dem Meisterwerke demütig bewundert werden, sondern an dem das Gebotene anregend wirkt. Das ist, gemessen an der Geschichte der Museen, nicht weniger als ein Paradigmenwechsel, der innerhalb des Vortrags analysiert werden soll.
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Dr. Wolfgang Ullrich, 1997-2003 Dozent an der Akademie der Bildenden Künste München, nach Gastprofessuren in Hamburg und Karlsruhe seit 2015 freier Autor in Leipzig und München.

Der Vortrag von Wolfgang Ullrich ist online abrufbar.

 

Bernhard Maaz, »Der Kunsthistoriker als Bauherr – Sammeln ohne Geld. Was Universitäten nicht lehren und weshalb das Museum eine Ausbildungseinrichtung bleiben muss.«

Kunsthistoriker im Museum sind nicht nur Sammler und Forscher, die in Archiven und Bibliotheken sitzen, wie die in der Öffentlichkeit weit verbreitete Meinung unterstellt, und sie sind auch nicht nur Kuratoren von Ausstellungen mit berühmten Meistern und Werken, wie sich mancher Student es wünscht. Das Universitätsstudium bereitet auf die heutige Praxis nur bedingt vor, denn der Museumsalltag wartet mit Bau- und Sanierungsaufgaben, mit Finanzplänen und Unterfinanzierung, mit Ausschreibungen und Vergaberecht, mit Restitutionsforderungen und Rechtsstreitigkeiten, mit Raumvermietung und Veranstaltungsmanagement auf. Alles das und noch viel mehr sind Themen, die die universitäre Kunstgeschichte nur unzureichend vermitteln kann. Sind der Museumspraxis also Grenzen gesetzt, oder müssen wir das Studium verändern? Genügen die üblichen Praktika und die raren Volontariate zur Nachwuchsförderung, und wo stoßen wir auch hier an die Grenzen? Eine permanente Revision der Museumspraxis ist ebenso erforderlich wie die Anpassung des Kunstgeschichtsstudiums an die Praxis.

© Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Foto: Haydar Koyupinar
© Bayerische Staatsgemälde-sammlungen, Foto: Haydar Koyupinar

 

Dr. Bernhard Maaz, 2010-2015 Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister und des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, seit 2015 Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

 

 


Walter Grasskamp, »Das Kunstmuseum – Eine erfolgreiche Fehlkonstruktion? Wie man Folgekosten erwirbt, die man nie wieder loswird«

Mehr als je zuvor werden heute Dinge mit dem Anspruch hergestellt, aufbewahrt zu werden, weil sie als Kunstwerke firmieren. Sie werden in einem Ausmaß hergestellt, das in anderen Branchen als heillose Überproduktion gelten müsste. So verwundert es kaum, dass nicht alle auch das Ziel erreichen, in eine der zahlreichen Institutionen des Aufbewahrens aufgenommen zu werden. Aber viele schaffen es, und so ist inzwischen eine Traditionsmasse herangewachsen, die mit einer dichten Streuung der Sammlungsstätten korrespondiert: Wie Knoten in einem feinmaschigen Wegenetz von Zulieferung, Warenannahme, Lagerung und Präsentation nehmen die dafür zuständigen Gebäude nicht nur an Zahl stetig zu, sondern auch an Umfang, wobei die Sammlungen vor allem nach innen wachsen, in die Depots. Museen für Kunst sind die einzigen, die Objekte sammeln, die eigens für das Sammeln hergestellt worden sind, worin sich eine Tendenz zur kulturellen Tautologie erkennen läßt ist das Kunstmuseum eine erfolgreiche Fehlkonstruktion? Welche Zukunft hat die Tradition?

Foto: Britta Lauer
Foto: Britta Lauer

Prof. Dr. Walter Grasskamp, Kunstkritiker und -Soziologe, seit 1995 Ordinarius für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste München, 1999-2003 stellvertretender Direktor ebenda, Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und Vorstandsmitglied der Museumsstiftung zur Förderung der bayerischen staatlichen Museen.

 

Inka Drögemüller Vom Aufbruch des Museums in die digitale Welt: Chancen und Perspektiven der digitalen Erweiterung des Städel Museums

In Zeiten der medialen Reizüberflutung bietet das Museum als asynchroner Raum mehr denn je eine Rückzugsmöglichkeit vor der Geschwindigkeit des Alltags an. Gleichwohl stehen die Museumslandschaft und deren Selbstverständnis im Zuge der umfassenden Digitalisierung vor grundlegenden Veränderungen und neuen Herausforderungen. Gerade darin sehen wir im Städel Museum jedoch ein enormes Potenzial – die Aufgaben des Museums sind nicht nur innerhalb der physischen Perimeter des Gebäudes und seiner Sammlung zu verorten. Unser Ziel ist es, diese neuen Möglichkeiten auch für die Institution Museum und seinen kulturellen Vermittlungsauftrag nutzbar zu machen, um diesen fortzuentwickeln, unsere Bildungsangebote zu erweitern, neu zu skalieren und individueller gestalten zu können.

Während die Besucherkapazitäten im Museum begrenzt sind, wächst die Anzahl der Nutzer unserer digitalen Angebote in einer rasanten Geschwindigkeit. Momentan liegt sie bei mehr als einer Million Usern pro Jahr und damit mehr als doppelt so hoch wie die Anzahl der Besucher im Haus.

Mit unseren digitalen Projekten bieten wir ein noch umfassenderes und individuelleres Kunst- und Museumserlebnis. Über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg können wir mit unseren digitalen Angeboten die Ergebnisse unserer Forschung, Bildung und Vermittlung sowie unsere Sammlung einer noch breiteren Zielgruppe zugänglich machen – so ermöglichen wir ein alternatives, paralleles Angebot, das weltweit kostenlos genutzt werden kann und unseren Wirkungs- und Aktionsradius beträchtlich erweitert. Gleichzeitig setzen wir damit als gemeinnützige Bürgerstiftung eine neue Benchmark und überlassen diesen sich gerade entwickelnden Bereich der kulturellen digitalen Bildung nicht allein kommerziellen Anbietern.

Referenten_Droegemueller_sw_klInka Drögemüller, Head of International Relations / Externe Partner, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Städel Museum & Liebieghaus Skulpturensammlung, seit 2001 an der Schirn Kunsthalle für die Bereiche Marketing und Sponsoring verantwortlich, seit 2006 darüber hinaus für das Städel Museum und die Liebieghaus Skulpturensammlung verantwortlich für die internationalen Ausstellungsprojekte sowie die Content Kooperationen mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Rahmen der Digitalen Erweiterung der Museen.

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